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iLove my iPod!

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Ich bin eine leidenschaftliche Bahnfahrerin. Entspannt durch die Landschaft zu rollen im Wechsel der Jahreszeiten macht mir Freude. Was tut’s, wenn  mal ein Zug Verspätung hat oder  einer eventuell ganz ausfällt. Dann gibt es auch außergewöhnliche Erlebnisse, wie zum Beispiel, dass die Regionalbahn vor einer Straßenschranke anhält, der Lokführer aussteigt und manuell das Schließen der Schranke auslöst, einsteigt, Zug weiterfährt, anhält, Fahrer aussteigt, Schranke manuell öffnen läßt, einsteigt und weiterfährt.

Sofern es nicht gerade Winter ist und ich auf einem kalten und zugigen Bahnsteig warten muss, weil ich den Anschlusszug verpasst habe, trage ich diese Dinge mit Fassung. Denn ich finde  es interessant, während des Wartens die Leute um mich herum zu beobachten und mir meine Gedanken über sie zu machen.i-love-my-ipod-150x150

Zum Beispiel dachte ich  mit Bedauern daran, dass man noch vor einigen Jahren doch das eine oder andere Gespräch mit Mitreisenden angeknüpft und gepflegt hat. War manchmal  sehr aufschlussreich und anregend. Aber heute hat sowohl Männlein wie Weiblein Stöpsel in den Ohren, will sagen Kopfhörer, deren Kabel zu irgendwelchen MP-Playern in irgendwelchen Kleidertaschen führen.  Manchmal kann man sogar von der Musik des einen oder anderen profitieren bzw. bekommt sie aufgedrängt. Nett finde ich es allerdings, wenn sie zwei Leute ihre Musik teilen und jeder einen Kopfhörer des Players im Ohr hat. Sie sitzen meist nahe beieinander.

Doch es tat mir insgesamt gesehen ein bißchen leid, dass jeder nur so mit sich selbst beschäftigt ist und sich abschottet und deswegen kaum noch an einer Kommunikation  interessiert ist. Bis neulich. Denn neulich stieg ich wohlgemut in den ICE, der in  Richtung meines Zieles fuhr und erfreulicherweise nur 15 Minuten Verspätung hatte, was mich mit Recht hoffen ließ, alle Anschlußverbindungen zu erreichen,  ließ mich entspannt nieder und richtete mich auf eine  gemütliche Fahrt ein. Die Sonne schien und der Frühling hatte zögerlich damit begonnen, die ersten Blüten und Blumen zu wecken und ich war gut drauf.

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Schräg gegenüber hatten eine junge Frau und ein junger Mann Platz genommen. Offensichtlich Studenten auf dem Weg nach Tübingen, wie ich bald feststellte. Denn die junge Frau sprach ohne Punkt und ohne Komma und anscheinend ohne Luft zu holen, auf den jungen Mann ein, erzählte ihm haarklein vom Inhalt  einiger Vorlesungen in Psychologie mit nicht gerade gedämpfter Lautstärke. Der arme Junge kam kaum dazu, den einen oder anderen Satz einzuwerfen, meist hingen seine Augen an ihren Lippen, die sich ununterbrochen bewegten und plapperten.  Es gab kein Entrinnen, schnatter, schnatter, bla bla bla… Nach und nach ergriffen niedrige Instinkte von mir Besitz und ich ertappte mich bei den Erwägungen, ob wohl ein Knebel ausreiche, um sie zum Schweigen zu bringen oder ob ich sie gleich erwürge.

Mein iPod, den ich auf Bahnfahrten immer dabei habe, rettete uns beide.  Ausgepackt,  Stöpsel in die Ohren, Menü geklickt und Hörbücher ausgewählt. Den Rest der Fahrt genoss ich nun mit der warmen Männerstimme im Ohr und der spannenden “Chemie des Todes”.  iLove my iPod!

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